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By Carolin Kugler

Jenseits der Montagsphobie

Jetzt bin ich tatsächlich auf den Tag genau 6 Monate hier. Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Mittlerweile bin ich relativ entspannt, habe mich eingerichtet und mich mit der Situation arrangiert: Statt Weltreise Leben in Sri Lanka…Wenn man es genau nimmt, wäre die Situation Zuhause in Deutschland auch nicht anders. Nur eben ohne Meer, dafür aber mit viel Druck von außen: Schließlich kann man nicht einfach nichts tun. Ich müsste so vieles tun: einen neuen Job suchen, mein Leben planen, man kann ja schließlich nicht….Doch, ich kann! Und zwar hier!

In kleinen unscheinbaren Momenten wird mir immer wieder bewusst, was ich in meinem Leben gerade habe. Mein Mitbewohner trägt hier öfter ein T-Shirt mit der Aufschrift „Monday T-Shirt“ mit dem „O“ als weinendem Smiley, und ich muss wirklich jedes Mal schmunzeln, weil mir genau dieses T-Shirt noch vor einem halben Jahr sowas von aus der Seele gesprochen hätte. Schon sonntags war ich fast schon deprimiert und habe mich gefragt, wo das Wochenende hin. Ich muss euch nicht sagen, wie düster meine Laune montags aussah. Jetzt mag ich den Montag wieder, denn der Montag ist genauso schön wie der Mittwoch oder der Sonntag.

Ganz extrem habe ich das gemerkt, als ich mit meinen Freunden telefoniert habe und diese nach ihrem Urlaub wieder in die neue Arbeitswoche starten mussten. Das Gefühl, dass sich in mir ausbreitete nur beim Gedanken daran, war einfach unbeschreiblich einengend. Genau so fühlte ich mich immer, wenn es wieder losging, nachdem mein Urlaub vorbei war. Wenn ich ehrlich bin hat sich das langsam genau bei der Hälfte meines Urlaubs ausgebreitet und sich dann von Tag zu Tag gesteigert! Aber jetzt war da noch ein anderes Gefühl mit dabei: Mitgefühl! Ja mir taten meine Freundinnen leid, dass sie jetzt wieder in den Alltagstrott zurückmussten. Aber da war auch noch etwas anderes, nämlich Dankbarkeit! Ich war einfach dankbar, dass ich nicht zurück muss in meinen Alltag, denn hier habe ich dieses komische und ungute Gefühl eigentlich gar nicht mehr, und das fühlt sich einfach wunderbar an 🙂

By Carolin Kugler

CaroStories #6 – Eintauchen ins wahre Leben

Corona habe ich in meinen Gedanken oft genug verflucht, allerdings hat mir diese Pandemie auch wieder vor Augen geführt, wo der Fokus eigentlich liegen sollte, was wirklich zählt. Zuhause haben mich alle gefragt, wie ich mir meine Reise finanziere und es ging irgendwie hauptsächlich ums Geld. Erst vor kurzem meinte ein Bekannter zu mir: „Reisen ist schön, zumindest wenn man es sich leisten kann“. Von wegen! Ich habe noch nie so intensiv gespürt, wie wertlos Geld doch eigentlich ist. Wie selbstverständlich meine Freiheit zu Hause immer war. Dabei ist meine Freiheit mit das Wichtigste in meinem Leben. Denn selbst mit meinem Ersparten war es mir hier an Tagen mit strikter Ausgangssperre nicht einmal möglich, im Shop gegenüber ein Eis zu kaufen. An ein Zugticket in den nächsten Ort, geschweige denn ein Flugticket in angrenzende Länder ist momentan nicht einmal zu denken. Geld scheint doch nicht alles zu sein, ist aber bei uns häufig das Thema Nummer eins…

Ich wurde mir auch bewusster, wie wenig bedeutend für mich das Aussehen eines Menschen ist. Während ich zum Beispiel einen Chinesen nicht einmal als solchen wahrnahm, geschweige denn diesen mit der Pandemie in Verbindung brachte, ging meine Zimmernachbarin gedanklich schon panisch auf Abstand und hielt nach Fluchtmöglichkeiten Ausschau. Wie es sich anfühlt, wegen seiner Herkunft gesondert behandelt zu werden, durfte ich ja am Flughafen in Colombo selbst erfahren. Schön war das nicht! Es ist doch wirklich verrückt, dass wir zum Beispiel zum Mond fliegen können, uns aber immer noch so von Vorurteilen leiten lassen…

Und noch eine neue Entdeckung: In meinem Kopf war fest verankert, dass man Kultur, Land und Leute am Besten kennenlernt, wenn man möglichst viele Orte in einem Land sieht. Hier bin ich nun schon seit Monaten an ein- und demselben Fleck, weiß nicht einmal, wie man Bus fährt, und habe schon so viel über die Einheimischen und deren Leben gelernt. Vor allem habe ich mehr über die Schattenseiten erfahren, die Korruption, die Polizeigewalt, und die Machenschaften der Mafia. Wo man beim Herumreisen sonst in der Regel doch mehr die schönen Seiten sieht oder sehen will, konnte ich mir hier nicht aussuchen, was ich erlebe, sondern war ungefragt mitten drin!

Auch wenn ich bisher nicht annähernd die Welt bereist habe, wie ich mir das so vorgestellt hatte, habe ich wohl doch in mir eine ganz schön lange Wegstrecke zurückgelegt. Das stimmt mich versöhnlich…

By Carolin Kugler

CaroStories #5 – Freiheit?!

Nach wie vor bin ich in im Süden Sri Lankas in Hikkaduwa und der Optimismus von vor ein paar Wochen – oder gar schon Monaten – ist so gut wie dahin. Ich zweifle in den letzten Tagen stark und überlege abzubrechen…nach Hause zu fliegen…Zeit mit all meinen Lieben zu verbringen, anstatt hier rumzusitzen und zu warten.

Im März war ich noch fest davon überzeugt, dass bis Mitte Juni wieder alles normal sein wird. Jetzt ist „Mitte Juni“ und die Normalität ist hier in Sri Lanka zwar etwas näher, allerdings im Rest der Welt jenseits Europas noch nicht einmal annähernd angekommen. Auch wenn ich versuche mit meinen Entscheidungen einfach abzuwarten bis mein Visum in ein paar Wochen ausläuft und ich das Land verlassen muss, macht sich einfach irgendwie still und heimlich Traurigkeit in mir breit.

Ich fühle mich wieder wie in Deutschland – zurück in meinem Hamsterrad, in dem es mir unmöglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dieses Mal allerdings wegen der Corona-Bestimmungen. Es wird mir noch mehr bewusst, dass Geld oder eine schöne Wohnung nicht viel Wert sind, wenn man keine freien Entscheidungen treffen kann!

Auch ohne die leiseste Ahnung, dass genau zu Beginn meiner Weltreise eine Pandemie ausbrechen würde, wusste ich, dass das kommende Jahr auch Tiefen mit sich bringen und nicht immer einfach werden würde.

Im Moment kann ich nichts anderes tun als meine verbleibende Zeit zu nutzen, um den Rest von dieser Insel kennenzulernen und mir meine Reiselust Stück für Stück wieder zurückzuerobern, zu hoffen, dass mein Traum nur einen holprigen Start hinlegt.

By Carolin Kugler

CaroStories Teil 4 – Ich sitze fest!

Mittlerweile habe ich aufgehört die Tage zu zählen, die ich bereits hier bin. Es ist ein Tag wie der andere… jeder Tag fließt unbemerkt in den nächsten. Wo ich Zuhause noch Angst hatte, eventuell anfangs zu schnell zu reisen, weil ich nicht begreife, dass ich Zeit habe, bin ich jetzt – dank Corona – wohl am Boden der Tatsachen angekommen! Ich stelle mir immer wieder die Frage, warum ich ausgerechnet hier mit dieser bunt zusammengewürfelten Truppe gelandet bin. Jeder für sich eine extreme Persönlichkeit mit Eigenschaften, die ich bewundere, oder eben verabscheue und doch haben wir alle dasselbe Problem: wir sitzen fest!

Es gibt Tage, an denen ich damit gut umgehen kann. Dann kommen allerdings wieder Tage, an denen bin ich unruhig, zweifle an meiner Entscheidung, hier geblieben zu sein, habe Angst davor, das Reisen verlernt zu haben, wenn es denn mal wieder geht, und stelle mir immer wieder die Frage, warum ich nicht schon vor einem Jahr los bin…oder vor zwei…warum gerade jetzt? Wird es jemals alles wieder wie früher? Wird man irgendwann in naher Zukunft überhaupt wieder unbeschwert reisen können? Es macht mich wahnsinnig, weil mir niemand diese Fragen beantworten kann!

Eine der ersten Lektionen, die ich inzwischen gelernt habe, ist nicht aus Angst zu handeln! Obwohl ich meinen ungefähren Plan im Kopf und mein Budget eingeteilt hatte, verfiel ich sehr schnell in Panik, dass mir das Geld ausgehen könnte, weil ich hier in Sri Lanka festsitze, jeden Tag Geld ausgebe, ohne einen Meter voran zu kommen. Panik, dass ich nur die Hälfte meiner Ziele sehen kann, weil ich mir den Rest dann vielleicht schlichtweg nicht mehr leisten kann. Es hat einige Wochen und Erkenntnisse gedauert, bis ich verstanden habe, dass Geld nicht das wichtigste ist und sich gerade auf Reisen so viele Türen öffnen, sich Chancen ergeben, und es immer irgendwie weitergehen wird.

Für irgendwas muss diese Situation doch gut sein, auch wenn ich es jetzt vielleicht noch nicht sehe, weiß ich, dass ich es ohnehin nicht ändern kann und versuche anzunehmen, statt abzulehnen.

By Carolin Kugler

Stranded – and enjoying the sand

Frankfurt Airport, waiting for my flight to depart. My mind full of doubts whether I was doing the right thing. The boarding shock: the airline guy told me rather stubbornly that I was not allowed on board without a ‘Corona certificate’, simply NOT! Seriously? Do dreams shatter so quickly!? I was completely devastated. After having left everything behind, I was not allowed to leave the country! On my way to my mother’s house, I called the airport to find out which airlines still take off and bought a last minute ticket to Sri Lanka the following morning. I felt a strong determination that I was not to give up so easily. Shortly after I landed in Colombo, the borders were closed and I was very lucky to be have this entry stamp in my passport…

It was a difficult trip for me, because I was still not sure if I made the right decision to leave my family and friends behind in the Corona chaos. The people in Sri Lanka with their face masks who flinched every time I cleared my throat didn’t make it any better.

Upon our arrival in Sri Lanka, the Germans were separated from the other passengers. Only then I realized how privileged holders of a German passport usually are. It was a very strange feeling to be treated differently just because of my passport. What the Chinese experienced in Germany, I am experiencing here in Sri Lanka. The locals are afraid of me and look at me on the street as if I was the devil. This was not how I’ve imagined the beginning of my world trip…

Since one week, I have been in the South of the island at the beach. A couple of days ago, a curfew was imposed. Many hostels closed their doors and made their guests leave. Meanwhile, it feels like we are alone on the island. I think I will stay here for a while until the world turns normal again. At the moment, I’m relaxed and confident that I will be able to visit all countries I wanted to see, and if not, I will have to adjust my plans…

By Carolin Kugler

Getting ready for take-off

Done – I quit my job! That was far from being easy. Somehow, I felt a sense of guilt and developed a bad conscience about letting down my bosses and colleagues. Actually, I did like going to work, didn’t I? Gosh, I was completely crazy. Should I really leave? But giving up my apartment was even worse! At first, it was hard to let go of my furniture and personal things and I said to myself: ‘This is just a carpet and even without this carpet you are still yourself!’ Gradually, I realized that my furniture was made for this apartment and my present life. This helped me to let go. It was even liberating to sort out my wardrobe. I was really glad to see that I developed ease in just giving things away and making others happy.

Packing never has been my strength. In the past, I regularly messed up with packing my suitcase and always waited until the last moment. I never thought that giving things away would be easier for me than packing everything else I wanted to put in a storage! I felt overwhelmed by chaos…

I was angry at myself because I was standing in my own way, taking away the last bit of my energy. I felt deadly tired but couldn’t sleep because I hadn’t finished packing – a vicious circle! Ah, I remembered what could help: breathing, deep breaths, and take one step after the other. It’s not easy to keep Mr Mind in check who is already thinking about an early end of my journey. His thoughts are contagious for Her Highness Heart who suddenly doesn’t want to leave this beautiful apartment and the familiar surroundings after all…

By Carolin Kugler

Mirror, mirror, at the wall – who is the most courageous of them all?

Caro’s story about how it all started…

About two years ago I suddenly asked myself: who had designed our working time model, which leaves us so little room for ourselves? I looked around in my office and thought how stupid it actually was to stare at a screen for eight hours a day, forty hours a week for a pension which wouldn’t buy me even a cabin in the woods…yet, I couldn’t imagine to leave my apartment, my job, family and friends behind. I wasn’t sure why, but it was just beyond my imagination…Fear. Insecurity. Social pressure…

Pressure was so high that I even played with the idea of buying my apartment until the day I realized: I didn’t know who I really was! I googled the word passion because I didn’t know what that really was. And I asked myself: “Am I actually happy? What makes me unique? What is my goal?”

It was like I had spent years in a dark room and suddenly the light was switched on. I was ready for coaching – finally. Through various exercises I realized that I had to discover myself. I realized that my apartment was just an apartment, and my job was just a job, and I myself was not really me!

So I tried to listen to myself…and finally realized that it was the right time to finally make my dream come true to make a world trip. This feeling – to be ready – was suddenly there and my back pain, which had plagued me all year long, was blown away. I suddenly felt very light and slowly I recognized my true self…the happiness came back, the calmness was more and more part of my everyday life and I knew that I had taken the right decision. But I also knew that this decision would challenge me forever…

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